Das Spiel mit der Führungsmacht

Das Hü oder Hot in der Mitarbeitermotivation


Ich lese es in den letzten Tagen und Wochen, nach dem Lockdown immer wieder:

Die Basis von Allem ist Vertrauen. Wobei Vertrauen eigentlich das vollkommen falsche Wort ist. Denn die Definitionen weichen stark voneinander ab. Die meisten Menschen, die wir fragen, würden wahrscheinlich so etwas sagen, wie „Das ich mich immer zu 100% auf denjenigen verlassen kann. Das er nichts weiter sagt, oder dass er einhält, was er verspricht.“

Doch was für ein Bedürfnis steckt hinter solch einer Aussage?

Es ist die Sicherheit.

Mitarbeiter wollen wissen, woran sie sind. Es geht um Klarheit, und darum, dass du als Führungskraft Position beziehst und das in jeder Situation. Immer wieder höre ich Aussagen wie: „Wir entwickeln das gemeinsam, mal sehen, wie wir das Lösen können. Ich weiß es auch nicht genau“, oder „Ich möchte meinen Mitarbeitern die Freiheit geben, ihren Weg selbst zu finden.“

Du bist doch kein Fähnchen im Wind, kein Hü oder Hot. Du bist klar und berechenbar. Zumindest solltest du das sein, damit das Bedürfnis der Sicherheit befriedigt wird.

Sage deinen Mitarbeitern:

Wofür stehst du?

Wie möchtest du von außen gesehen werden?

Was lässt du mit dir machen, was nicht?


Frage dich selbst:

Wer sind meine Mitarbeiter für mich?

Kann ich den Menschen dahinter sehen, oder interessiert mich nur die Arbeit, die er schafft?

Lässt er mich seine Probleme lösen? Oder arbeitet er aus Eigenmotivation?


Deine Mitarbeiter müssen wissen, wovon du sprichst. Nur so können sie dir vertrauen.


Und hey STOP bewege dich genau jetzt nicht mehr. Verändere nichts an deiner Mimik. Bitte beobachte dich jetzt einmal genau. Wie ist deine Körperhaltung? Was machen deine Gesichtszüge? Und was dachtest du, als wir gestoppt haben?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit kannst du davon ausgehen, dass genau das, was du gedacht hast, auch zu sehen war.

Ohne besonderes Training, und sogar dann ist es schwer, strahlen wir zu jeder Zeit genau das aus, was wir denken. Und unser Gegenüber erkennt es. Erkennt er es nicht, empfängt er Schwingungen, oder eine bestimmte Stimmung.

Was du denkst, strahlst du aus, immer.


Lade deshalb unbedingt dein positives Konto auf, bevor du mit deinen Mitarbeitern zusammen bist. Es ist ganz einfach:

Je besser die Stimmung, desto größer die Bereitschaft mitzumachen.


Ja, das musst du aktiv tun. Es reicht nicht, wenn du dir vornimmst, ein gutes Gespräch zu führen.

Finde immer das Positive. Identifiziere und notiere dir, eine positive Eigenschaft an jedem Menschen, mit dem du sprichst.

Magst du jemanden grade nicht, suche 5 positive Eigenschaften und starte das Gespräch erst wenn du positiv aufgeladen bist.


Immer wenn wir etwas sagen, wollen wir auch etwas erreichen. Wir manipulieren ständig.

Der fatalste Fehler, den wir in der Kommunikation begehen, ist davon auszugehen, dass unser Gegenüber so denkt wie wir.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er in genau dem Moment, dass selbe Bedürfnis wie wir hat, liegt bei 1:4. Kann passen, oder nicht. Unter den Menschen, die uns begegnen finden wir die, denen Macht und Zielerreichung wichtig ist, Sie wollen immer einen Sonderstatus und stehen augenscheinlich über dem Rest der Menschheit, wir finden die, die oberflächliche Freundschaften suchen, die gut aussehen und wirken wollen. Sie stehen auf Lob und das besonders von einem höheren Tier in der Rangordnung. Außerdem finden wir Analytiker, die niemals und wirklich niemals auf die unsichere, emotionale Bühne wollen und zu guter Letzt, die Kuscheltypen, denen Harmonie über Alles geht. Sie wollen weder gedrängt noch gehetzt werden, und brauchen vor Allem eins, einen großen Schirm, der sie vor dem Regen schützt.

Dabei müssen wir uns einer Sache Bewusst sein: Kommunikation ist niemals zweckfrei.

Immer wenn wir etwas sagen oder tun, wollen wir damit bei unserem gegenüber etwas erreichen. Jede Kommunikation ist also auch ein Stück weit Manipulation. Der entscheidende Unterschied ist, ob wir eine Win- Win Situation anstreben, oder den anderen über den Tisch ziehen.

In die Schublade, mit den schmutzigen Tricks, greifen wir logischerweise nicht, wenn es um langfristige Beziehungen geht.

Nutze lieber Strategien, wie das Word- Coping, um Gemeinsamkeiten zu schaffen. Dabei verwendest du eine ähnliche Sprachwelt, wie dein Gegenüber, damit dieser sich wohl und angenommen fühlt.

Wechsel niemals, in eine andere Kommunikationswelt als die deines Gegenübers. Auch nicht wenn dir die Kommunikation zu langsam, schnell, sachlich, emotional, oder nicht zielfokussiert genug ist.

Oft musst du langsamer Laufen, um schneller zu Gehen.


Und auch das Wort NEIN steht stellvertretend für Klarheit in der Führung. Denn es ist dein Job Nein zu sagen. Du musst klare Stellung beziehen und Klarheit geht vor Harmonie. Die Klarheit ist es, die Beziehungen wirklich stark macht und Mitarbeiter dazu motiviert zu investieren. Das JA Sagen, wenn du mental nicht 100% dabei bist, schwächt genau das an Vertrauen, was du grade aufgebaut hast.

Es ist leichter Nein zu sagen, wenn du zu etwas größerem Ja sagst. Dabei ist es für dich wichtig die Grundbedürfnisse der Mitarbeiter im Auge und im Fokus zu behalten. Sie sind entscheidender für eine gute Bindung als die aktuellen Bedürfnisse.

Ein Konflikt mit deinen Mitarbeitern ist, wenn wir es genau nehmen nicht mehr möglich. Denn du bist nun der Leuchtturm, der die Fahrt ausrichtet. Dabei kann der Mitarbeiter sich zu jeder Zeit darauf verlassen, dass du weißt, wo die Reise hingeht. Das schafft Vertrauen und die Möglichkeit neue Dinge auszuprobieren.


Dabei wirst du hin und wieder Druck auslösen. Vielleicht regt sich jetzt Widerstand in dir. Doch Druck wirkt verdammt anziehend, wenn du ihn genau von anderen Dingen unterscheiden kannst.

Du willst niemals Druck auslösen? Druck ist was für Leute, denen nichts anderes mehr einfällt. Ist das wirklich so? Oder wann hast du das letzte Mal zu einem Mitarbeiter, deinem Kind, oder deinem Partner gesagt: „Wenn du x machst bekommst du y“, wenn das nicht klappt, weiß ich nicht wie lange ich mir das noch leisten kann!

Bei Erpressungen hast du immer nur zwei Möglichkeiten. Entweder du ziehst das, was nun unwiederbringlich im Raum steht durch und störst die Beziehung zu deinem Mitarbeiter durch Unberechenbarkeit und durch das nicht anerkennen der Anderen Person. Oder du lässt es einfach so stehen und machst nichts. Achtung „Grade bist wieder zu dem Fähnchen im Wind geworden, das für alles Mögliche steht, aber nicht für Sicherheit.

Drucksituationen lassen sich auf keinen Fall vermeiden, wenn du ein Ziel erreichen willst. Aber. Druck hat überhaupt nichts mit Erpressung zu tun. Auch nicht suggestiv, bereitgestellt, um die Phantasie anzuregen. Es gibt kein: „Dann weiß ich auch nicht was passiert“. Bedenke immer, dass es für deine Mitarbeiter eine Extremsituation ist, mit dir als Ranghöchstem Offizier zu sprechen. Diese Situationen per se lösen bei Vielen schon psychologischen Druck aus. Und Druck ist anziehend. Dabei geht es um das Austesten von Grenzen, das Gefühl selbst entscheiden zu können.

Deine Aufgabe ist es, deinen Mitarbeitern klare Grenzen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Vielleicht auch welche, mit denen der andere nie gerechnet hätte. Vielleicht auch, wenn du nicht bereit bist es ihm recht zu machen. Für den Mitarbeiter geht es dann nur um eins, das Rückgewinnen von Sicherheit. Er muss wissen, woran er ist.

Und für dich gilt: Zeige immer klare Kante.


Schaffe lieber verlässliche Rituale.

Rituale kennen wir vor Allem aus dem Sport, oder aus religiösen Gruppierungen. Doch auch auf Arbeitsstellen und in Teams haben sie einen magischen Effekt. Sie schaffen Verbundenheit.

Natürlich müsst ihr nicht jeden Morgen einen Haka Tanz aufführen, es reicht wenn ihr einfache Rituale zum festen Bestandteil eurer Arbeit macht. Begrüße jeden Mitarbeiter morgens persönlich, oder laden einmal im Monat zum Stammtisch ein. Mache einmal im Jahr eine kleine Reise mit deinem Team. Ja das ist möglich.

Je persönlicher, interessanter, außergewöhnlicher, emotionaler desto besser.

Mache deine Mitarbeiter zum Insider, so kannst du zu jeder Zeit gut Kontakt zu Ihnen aufbauen.

Die Verbindlichkeit ist dabei einzig und allein dein Job! Du erinnerst dich an das größte Bedürfnis deiner Mitarbeiter, Sicherheit.

Nutze diese Gelegenheiten nicht aus, um deine Mitarbeiter auszufragen. Genieße die gemeinsame Zeit und verschenke wertschätzende Augenblicke mit dir.


Wer fragt der führt…. Das ist eh der Standartspruch schlechthin. Doch so viel Wahres ist gar nicht dran, an dieser Flosskel. Denn worauf es ankommt, sind die richtigen Fragen, zur richtigen Zeit.

In der Regel verbleiben wir in Gesprächen und auch bei unseren Fragen auf der Small Talk Ebene. Der Kontakt bleibt beliebig und wir wundern uns, dass wir mit null Erkenntnissen aus dem Gespräch rausgehen.

Der Mitarbeiter bleibt in seiner Komfortzone, muss sich nicht öffnen, alles bleibt leicht und irgendwie harmonisch. Die Konversation läuft standartmäßig ab, mit Fragen wie: Was hast du gemacht? Was fandest du schön? Was würdest du Anders machen? Langweilig.


Wenn wir emotionale Attraktivität erzeugen wollen, müssen wir weg von der Oberfläche, denn nach spätestens der 4. Small Talk Frage hast du dein Gegenüber verloren.

Mit Wertefragen allerdings schaffst du es bei jedem auf eine tiefere Ebene. Hierbei geht es in erster Linie um das WARUM.

Wie kommt es, Weshalb ist das so, Worauf bist du stolz? Was ist dir wichtig? Und eben WARUM

Mit diesen Fragen zeigst du echtes Interesse. Interesse irritiert, deshalb gilt es danach vor Allem in Ruhe abzuwarten.

Gib deinem Gegenüber Denkpausen und lasse ihn von Selber antworten. Frage dann weiter nach, ob du irgendetwas noch nicht weißt.

Halte Stille einfach aus. Das was danach kommt, ist oft die Essenz.


Ist ja eh alles ein Geben und Nehmen..... Falsch!

Als Vorgesetzter investierst du in deine Mitarbeiter. Du lädst das Beziehungskonto immer weiter auf. Dafür löst du beständig kleine Probleme für die Anderen. Wirkliche Kleinigkeiten, nicht die großen Themen des Lebens.

Eine helfende Hand, eine schnelle Lösung ein ehrliches Feedback. So schaffst du immer weiter positive Erlebnisse, die dein Mitarbeiter mit dir in Verbindung bringt. Was meinst du wie gut er sich fühlt, wenn er es dir gleichtun kann und auf dein Beziehungskonto einzahlt.



Spiel der Führungsmacht

* Zur verbesserten Lesbarkeit wurde die männliche Ansprache gewählt. Es sind gleichermaßen alle Geschlechtsformen angesprochen.


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